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Smart Manufacturing, smartes Workforce Management – Vier Tipps für Unternehmen aus der Produktionsbranche

Gastbeitrag von Dr. Sebastian Vogl, Director Sales Manufacturing bei der ATOSS Software AG

Vielen Schichtarbeitern in der Produktionsbranche ist die ausgleichende und vor allem planbare Freizeit inzwischen wichtiger als zusätzliches Geld. Mit Hilfe einer digitalen Einsatzplanung lassen sich die Arbeitszeiten so flexibel gestalten, dass sie zu den Anforderungen und dem Alter der Mitarbeiter passen. Beispielsweise können Freischichten in eine fünfte Schichtgruppe zusammenfasst werden, so dass die Erholungswirkung verstärkt wird.

Auch Wahlarbeitszeiten sind inzwischen keine Seltenheit mehr. Dabei können Mitarbeiter freiwillig ihr Arbeitsvolumen reduzieren. So sieht der Tarifabschluss 2018 der IG Metall mehr Wahlmöglichkeiten bei der wöchentlichen Arbeitszeit vor. Gleichzeitig können die Arbeitnehmer das neue tarifliche Zusatzgeld (T-ZUG) unter bestimmten Voraussetzungen in Freizeit umwandeln.

Fest steht: Berücksichtigt die Schichtplanung die aktuelle Lebens- und Leistungssituation der Mitarbeiter, hat das auch für die Unternehmen Vorteile. Der Bedarf an Auszeiten oder der Ausfall durch Krankheit ist deutlich geringer. Auch die Bereitschaft, eine zusätzliche Schicht zu übernehmen, steigt. Am Ende profitieren Mitarbeiter und Unternehmen gleichermaßen.

Deshalb ist Rethink! Smart Workforce Management ein essentieller Bestandteil von Rethink! Smart Manufacturing. Denn mit diesen vier Tipps können sie smartes Workforce Management in der Produktion in die Praxis umsetzen.

Tipp 1: Bereichsübergreifend planen

Eine gute, langfristige Planung der Personalressourcen minimiert zwar Risiken für kurzfristige Planänderung im operativen Betrieb, kann sie aber nicht verhindern. Dann muss schnell reagiert werden können. Über eine integrierte Software für Arbeitszeitmanagement und Schichtplanung stehen alle zeitwirtschaftlichen Daten und auch Qualifikationen, Arbeitszeitmodelle, Arbeitszeitsalden und Verfügbarkeiten der Mitarbeiter auf einen Blick zur Verfügung.

Per Mausklick kann der Planer im Bedarfsfall nun sehen, welcher Mitarbeiter als Ersatz in Frage kommt und kann ihn der entsprechenden Schicht zuordnen. Das gilt auch bereichs- oder werksübergreifend, sofern die erforderlichen Qualifikationen vorhanden sind. Viele manuelle Prozesse bei Umbesetzungen fallen weg.

So werden der Arbeitsplatzwechsel, die Umbuchung auf andere Kostenstellen oder neue Soll-Arbeitszeiten automatisch abgebildet und fließen direkt in die Zeitbewertung ein. Da Einsatzplanung und Zeitwirtschaft voll integriert sind, erfolgt die Schichtplanung topaktuell auf Basis von Echtzeit-Informationen.

Tipp 2: Springer-Pools einrichten

Bei kurzfristigen Ausfällen setzen Produktionsunternehmen häufig nicht ausreichend qualifizierte Leiharbeiter ein. Das führt jedoch nicht selten zu Produktivitätsverlusten, zum Beispiel aufgrund höherer Durchlaufzeiten oder vermehrtem Ausschuss. Auch auf die Qualität der Produkte kann sich der Leiharbeitereinsatz negativ auswirken.

Eine Alternative stellen Springer-Pools dar, die in die digitale Disposition einbezogen werden. Die Springer gehören zum Stammpersonal, übernehmen häufig aber nur ausgewählte Schichten oder arbeiten an bestimmten Wochentagen.

Sie verfügen über genau die Qualifikationen, die für einen bestimmten Arbeitsplatz notwendig sind. Das Springer-Prinzip kommt also nicht nur einer flexibleren Produktion entgegen, sondern schafft auch die Basis für individuellere Arbeitszeitregelungen.

Tipp 3: Mitarbeiterwünsche integrieren

Der Wunsch der Arbeitnehmer nach ausgleichender und planbarer Freizeit ist ein Signal, das Unternehmen ernst nehmen sollten. Denn eine Arbeitszeitgestaltung, die Mitarbeitern entgegenkommt, erhöht die Eigenverantwortung und die Motivation. Das wiederum wirkt sich positiv auf den Krankenstand aus.

Eine Einsatzplanung muss sozial verträglich, familienfreundlich, fair und nachvollziehbar sein. Dabei leisten intuitive Self Services eine große Hilfe. Über ein Portal oder mobile Endgeräte können alle Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten jederzeit einsehen, Urlaube beantragen, Wünsche angegeben und Schichten tauschen. Vorgesetzte profitieren von mehr Transparenz und einfacheren Genehmigungsprozessen, die Mitarbeiter von individuelleren Arbeitszeiten und einer schnelleren Bearbeitung von Urlaubsanträgen.

Tipp 4: Qualifikationen transparent machen

Neben der Fragestellung, wie viele Mitarbeiter auf welche Schicht und welchen Arbeitsplatz geplant werden müssen, gehört zu einer optimalen Disposition die Berücksichtigung von Qualifikationen. Konkret muss die Anforderung an den Arbeitsplatz mit dem Wissen und den Fähigkeiten des jeweiligen Mitarbeiters abgeglichen werden.

Die zentrale Pflege von Mitarbeiter­qualifikationen, wie zum Beispiel Gabelstapelfahrer oder auch EDV-Kenntnisse, und den Qualifikationsanforderungen einzelner Arbeitsplätze ist die Voraussetzung dafür. Außerdem lassen sich so wichtige Zusatzqualifikationen wie Ersthelfer oder Brandschutzbeauftragte ebenfalls problemlos abbilden. Eine Qualifikationsmatrix schafft nicht nur Transparenz, sondern dient zudem der strategischen Personalentwicklung und der gezielten Weiterbildung der Mitarbeiter.

Best Practice: Planungspower aus der Cloud

Ein Unternehmen, dass all diese Themen frühzeitig erkannt und mit digitalem Workforce Management reagiert hat, ist Federal-Mogul, ein weltweiter Produzent von Komponenten und Systemen für die Automobilindustrie und den dazugehörigen Aftermarket. Zwei deutsche Standorte der Division Federal-Mogul Powertrain haben sich für ATOSS Workforce Management entschieden, um ihre Personal- und Planungsprozesse zu optimieren und ihre Produktivität langfristig zu sichern; das Werk Nürnberg, Kompetenzzentrum und Produktionsstätte für Motorenkolben und das Werk Wiesbaden, Kompetenzzentrum und Produktionsstätte von Gleitlagern, Buchsen und Anlaufscheiben. Dort werden mehr als 2.000 Mitarbeiter mit unserer Cloud Solution geplant und gesteuert. Über den SAP Connector wird die ATOSS Personaleinsatzplanung mit der Zeitwirtschaft der unternehmensweiten SAP ERP HCM PT Lösung verbunden – ohne systemtechnische Kompromisse. Dezentrale Daten, aufwändige manuelle Prozesse und Tabellen-Planungen sind bei Federal-Mogul Nürnberg und Wiesbaden bald Vergangenheit. Auf Knopfdruck werden unter Berücksichtigung von Gesetzen, Tarifen, Qualifikationen und Zeitdaten regelbasierte Dienstpläne erstellt. Für eine arbeitsplatzorientierte Disposition können die Planer Mitarbeiter ganz einfach per Drag & Drop direkt auf Maschinen einsetzen. Dabei haben sie über eine Qualifikationsmatrix zu jedem Zeitpunkt den Überblick über erforderliche Qualifikationen und deren Status. Mitarbeiter werden beispielsweise automatisch auf unterschiedliche Maschinen verplant, wenn Mehrfachqualifikationen es in bestimmten Zeitintervallen erfordern. Drohen Qualifikationen abzulaufen, warnt ATOSS Aufgabenmanagement proaktiv. Auch bei der Überwachung der Fristen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes und der Steuerung der Urlaubskonten setzt Federal-Mogul Powertrain auf das innovative Tool. Wenn Urlaubssalden zu einem Stichtag einen definierten Schwellenwert übersteigen, erfolgt automatisch eine Meldung. In einem weiteren Schritt möchten Federal-Mogul Powertrain die ATOSS Kapazitätsplanung einführen und so auch die langfristige Planungsqualität erhöhen. Mehr Flexibilität für volatile Auftragslagen soll bereichsübergreifend mit einem internen Springerpool für das Werk in Nürnberg erreicht werden. Management und Mitarbeiter sind begeistert vom Potential ihrer neuen Lösung. Kein Wunder also, dass der Roll out in einem weiteren Werk für 600 Mitarbeiter bereits begonnen hat.

Fazit: Smart Manufacturing braucht Smart Workforce Management

Während die digitale Integration auf dem Shopfloor stetig voranschreitet, läuft die Einsatzplanung in vielen Unternehmen noch mit einfachen, manuellen Mitteln. Digitalisierung und Flexibilität sind jedoch Kriterien, die auch für die Arbeitszeitgestaltung und die Personalprozesse gelten müssen. Hier muss es heißen: Vernetzte Systeme statt Datensilos.

Soll Industrie 4.0 gelebte Realität werden, muss die Schichtplanung neben Bedarfstreibern auch die Anforderungen der Mitarbeiter berücksichtigen. Digitales Workforce Management ermöglicht die heute so dringend geforderte unternehmerische Flexibilität.

 

Weitere Informationen zur ATOSS Software AG finden Sie im ATOSS Work Blog oder auf der Homepage www.atoss.com

Über den Autor

Dr. Sebastian Vogl

Director Sales Manufacturing
Dr. Sebastian Vogl ist Director Sales Manufacturing bei der ATOSS Software AG. Als Experte für Workforce Management im Produktionsumfeld hat er zahlreiche Kundenprojekte erfolgreich begleitet.

Über das Event

Die Rethink! Smart Manufacturing 2019 ist das Strategie Event für Vorstände der Produktion und Werkleiter, um aktuelle Projekte, neueste Entwicklungen, innovative Technologien und Trends im Bereich Smart Manufacturing, Lean Management und Industrie 4.0 auf einer Plattform an 2 ½ Tagen interaktiv zu diskutieren. Die Rethink! Smart Manufacturing 2019 ist die Networking-Plattform für Top-Level Entscheider, speziell auf die Komplexität in Ihrem Unternehmen zugeschnitten und bietet Ihnen geschäftskritische Lösungen für die Entwicklung einer digitalen Strategie von morgen. Networking & Benchmarking – Treffen Sie 150+ Werkleiter und Produktionsentscheider aus D/A/CH.

30. September – 01. Oktober 2019

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